ABSCHLUSSKONZERT "SCHICKSAL" Veranstaltung wird verschoben!

10.05.2020 | 17:00 Uhr | Lausitzhalle Hoyerswerda Großer Saal

Ein bisschen Musikfesttage wollen wir nicht, dazu haben alle 500 Mitwirkenden in diesem Jahrgang zu viel Herzblut investiert.

mit schwerem Herzen, aber der Notwendigkeit folgend müssen wir Ihnen mitteilen, dass die 55. Musikfesttage Hoyerswerda vom 19.04. bis 10.0520 nicht stattfinden können.

Sehr geehrte Freund der Musikfesttage, liebe Besucher,

Es kann bis dahin nicht gesichert werden, dass alle Künstler aus dem Ausland nach Deutschland ein – und wieder ausreisen, Orchester, Ensemble und Chöre ausreichend proben können oder sich die allgemeine Situation merklich entspannen.

Deshalb werden wir die 55. Musikfesttage mit neuer Kraft und neuem Schwung auf das nächste Jahr verlegen, 11. April bis 02. Mai 2021.

Alle Konzerte werden 1 zu 1 gespiegelt.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie alle gesund bleiben.

Deshalb behalten auch alle Karten Ihre Gültigkeit.

Herzlichst im Namen des Teams der LHH, Dirk Rolka

 

 

 

ABSCHLUSSKONZERT DER 55. MUSIKFESTTAGE HOYERSWERDA SCHICKSAL

Jean Sibelius (1865 – 1957)

Finlandia - Sinfonische Dichtung

Johannes Brahms (1833 - 1897)

Schicksalslied op.54

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Sinfonie Nr. 5, Schicksalssinfonie, op. 67, c-Moll

Allegro con brio

Andante von moto Allegro

Sinfonisches Orchester Hoyerswerda e.V.

Leitung: Eva Meitner

Großer Chor Hoyerswerda e.V.

Leitung: Kerstin Lieder

 


 

Der Große Chor Hoyerswerda e.V. ist ein gemeinnütziger Verein von Chorsängern und Chorsängerinnen aus Hoyerswerda und dem Umland der Stadt, welcher 2010 gegründet wurde.

Der Chor setzt sich aus Vereinsmitgliedern zusammen, die darüber hinaus auch in anderen Laienchören aktiv sind. Es handelt sich hierbei um Sängerinnen und Sänger aus der/dem:

Chorgemeinschaft Wiednitz, Gemischter Chor Hoyerswerda, Männerchor Lohsa, Chor Seidewinkel, Chor der Brauchtumsgruppe Schwarzkollm, Vokalgruppe amici della musica, Kammerchor Hoyerswerda und Frauenchor musica viva Lauta-Torno.

Der Große Chor Hoyerswerda versteht sich als Projektchor, der selten gespielte, mitunter auch außergewöhnliche und zeitgenössische Werke einstudiert und aufführt. Er repräsentiert ein Netzwerk regionaler Chöre mit engagierte Laien-Sänger(innen) auf hohem musikalischem Niveau, die darauf aus sind, die Kulturstadt Hoyerswerda zu stärken.

Unsere wichtigsten Musikprojekte waren bisher die gemeinsame Aufführung der Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ zusammen mit der Rockband Elektra, die Aufführung des „Magnifikat“ op. 164 von John Rutter mit Neuen Lausitzer Philharmonie und die Aufführung der Friedensmesse „The Armed Man – A Mass For Peace“ von Sir Karl Jenkins. Die gemeinsame Aufführung der Friedensmesse mit anderen Chören aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Australien und Neuseeland im Januar 2020 in Carnegie Hall in New York City war bei letzterem Projekt der besondere Höhepunkt.

Wir sind aktuell 67 Vereinsmitglieder, davon 65 aktive Sängerinnen und Sänger, und singen unter der musikalischen Leitung von Frau Kerstin Lieder.

 


 

Jean Sibelius: Finlandia

Das erste Werk des Konzertes führt uns musikalisch nach Nordeuropa, nach Finnland. Dieser Staat  war über viele Jahrhunderte von den Nachbarn besetzt, zunächst von Schweden und später von Russland. Erst 1917 konnte es sich befreien und ein selbstbestimmtes Land werden. Und genau vor 100 Jahren wurde diese neue Freiheit durch einen Friedens- und Grenzvertrag mit Sowjetrussland unterzeichnet. Vorausgegangen waren für das Großfürstentum Ende des 19. Jahrhunderts Zeiten der Unterdrückung, die mit der Erklärung des „Februar-Manifestes“ durch Zar Nikolaus II. noch  verstärkt wurden. Das führte zum besonderen Widerstand gegen die zunehmende Kontrolle der Medien- und Redefreiheit. Künstler organisierten im November 1899 in mehreren finnischen Städten sog. „Pressefeiern“ gegen die russische Zensur der Journalisten. Die protestierenden Künstler sprachen den Komponisten Jean Sibelius an, der bereits mit 34 Jahren eine im Land gefeierte Persönlichkeit war. Dieser steuerte für eine Veranstaltung der Zensur-Gegner in Helsinki musikalische Bilder aus der Geschichte und Mythologie Finnlands bei. Die Musik zum 6. Standbild: „Soumi herää“ (Finnland erwacht) wurde schließlich nach Überarbeitungen weltweit gespielt. Wie kam es dazu?

Noch im Jahr der Uraufführung, nachdem dieses Stück während der letzten Tage 1899 im unterdrückten Land mehrfach aufgeführt worden war, hob der Musikkritiker Karl Flodin (1858-1925) vor allem einen hymnischen Abschnitt in der Vertonung hervor: dort „gipfelt Sibelius' melodischer Genius in einem Moment berührender Wirkung. Hier wird das neue, junge Finnland beschrieben, und der Komponist vermittelt uns diese Beschreibung in Form eines Liedes... durch rhythmische Akzente..., als hätte er an einen bestimmten Text gedacht. Eine bewegendere Melodie läßt sich indes kaum denken. Es ist ein ganz neues... Lied des Volkes, ein Lied des redlichen, treuen Volkes. In ein Fries gefasst, unser eigen, das Lied unseres demokratischen finnischen Volkes.“ (zit. nach Timo Virtauen 2019). Kaum ein Jahr später nannte Sibelius diese Vertonung auf Anregung von dem Musikfreund Baron Axel Carpelan (1858-1919) „Finlandia“. Der Künstler selbst leitete noch öfter dieses Werk auf Auslandstourneen des finnischen Orchesters. Bei ihm finden wir allerdings nur wenige persönliche Anmerkungen zum recht kurzen Stück. Da heißt es in seinem Tagebuch 1911 nach einer Berliner Aufführung: „Finlandia. Warum erzeugt dieses Tongedicht so eine Resonanz? Vermutlich wegen seines 'Plein-Air-Stils' (natürlichen Freistils). Es ist tatsächlich nur auf Themen aufgebaut, die mir zugeflossen sind. Reine Eingebung! Herrlich, herrlich! Wenn ich diesen Stil nur generell erreichen könnte – ruhig, beherrscht und harmonisch.“

Jedoch so richtig zufrieden war der Meister nicht damit, dass viele Musikliebhaber von ihm nur „Finlandia“ kennen. Hierzu wieder im Tagebuch 1943: „Am Abend hörte ich ein Europakonzert aus Deutschland. Alle Komponisten waren mit ihren besten Werken vertreten – ich mit Finlandia...“

Sibelius bezeichnete dieses Werk als „Kampflied und Siegeshymne“. Das ist sehr treffend! Denn die Musik beginnt sofort mit einem Blechbläser-Thema, das sich bis zum Fortissimo steigert. Dieser Fanfare entgegnen beschwichtigend die Holzbläser und Streicher mit wärmeren Tönen und befrieden somit etwas die Stimmung. Nun zieht aber das Tempo an, und mündet sozusagen als Doppelpunkt in den allbekannten Hymnus, der zuerst von den Holzbläsern vorgetragen und danach von den Streichern aufgenommen wird. Diesen Hymnus-Mittelteil wollte der berühmte englische Dirigent Leopold Stokowski (1882-1977) am liebsten als Welt-Nationalhymne sehen! - Schließlich eilt das Werk im Tempo der musikalisch gedeuteten hoffnungsvollen Zukunft des Nordlandes

entgegen.

In der Werkgeschichte der „Finlandia“ gibt es viele Bearbeitungen, so z. B. eine Fassung für Chor und Orchester mit einem Gedicht aus dem Jahr 1941 von Veikko Antero Koskenniemi (1885-1962) zum Hymnus-Teil, als Finnland längst befreit war. Da heißt es u.a.: „Ein neuer Tag will neue Freiheit bringen... Dein Volk hat sie erkämpft mit starker Hand... Der Zwingherr fiel, der einst dir schlug die Wunde,/ In Freiheit lebe, mein Vaterland!“ Diese Bearbeitung ist in allen Nordländern sehr beliebt. - Auch in andere Musikgattungen fand der Hymnus Einzug und die Melodie wurde international mit neuen Texten belegt, so z. B. für Kirchenlieder in England, Italien und den USA. Aber auch im Tanzmusikbereich kommt sie vor, u.a. in einem Titel der „Stern-Combo Meißen“ zu DDR-Zeiten als Freiheitshymne. Schmerzlich mutet dagegen an, dass der von Nigeria abgespaltene Staat Biafra, der an der Unbarmherzigkeit der Großmächte nach 4 Jahren mit Zehntausenden Hungertoten scheiterte, diese Melodie mit dem Text: „Land der aufgehenden Sonne“ zur Nationalhymne bestimmte.

Doch zurück zum heutigen Konzert! Nach dieser grandiosen Einstimmung in eine positive Vision über die Zukunft im Werk Sibelius', hören wir uns nun weitaus differenzierter in die menschlichen Gefühlsebenen ein:

Johannes Brahms: Schicksalslied

Um das Brahmsche „Lied“ für Chor und Orchester besser zu verstehen, denken wir zunächst an unsere eigenen Erfahrungen: Wie haben Sie z.B. 1989-1992 erlebt? War es damals eine Aufbruchsstimmung – oder war es für Sie eine Abschiedsstimmung? Voller Hoffnung – oder voller Ängstlichkeit – blickten wir in die Zukunft nach dem Ende des „Kalten Krieges“. Und: Wie sehen Sie heute nach 30 Jahren zurück auf diese Zeit? Sicher hat sich Ihr Blick verändert...

Mit diesen Gedanken im Hintergrund lassen wir uns nun hineinnehmen in das zweite Werk des Abends, das inspiriert wurde von einem Gedicht Friedrich Hölderlins (1770-1843):

Ihr wandelt droben im Licht

Auf weichem Boden, selige Genien!

Glänzende Götterlüfte

Rühren euch leicht,

Wie die Finger der Künstlerin

Heilige Saiten.

Schicksalslos, wie der schlafende

Säugling, atmen die Himmlischen;

Keusch bewahrt

In bescheidener Knospe,

Blühet ewig

Ihnen der Geist,

Und die seligen Augen

Blicken in stiller

Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden, es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe

Zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Diese Verse sind geprägt von dem Gegensatz Götter – Menschen - oder anders: Himmel – Erde.  So sind die ersten beiden Strophen den Göttern in „Ewiger Klarheit“ gewidmet. In den letzten Zeilen jedoch dichtet Hölderlin die Unfähigkeit der Menschen, ihre Verantwortung (= Schicksal) selbst in die Hand zu nehmen, d.h. die Erdbewohner sind wie Marionetten der Götterwelt ausgeliefert.

Doch seien wir vorsichtig! Die Zeilen stehen nicht freischwebend in einem Gedicht-Sammelband, sondern mitten in dem Brief-Roman „Hyperion“ und haben also ihren Kontext, der zu beachten ist. Dort lesen wir, dass Hyperion in seinen Briefen im Rückblick auf eine „alte Zeit“ seines Lebens schreibt. Jetzt hat er eine ganz andere Lebensgefühls-Einstellung: die Untergangsstimmung der früheren Zeiten ist einer versöhnlichen Sicht auf die Welt gewichen. Die Gegensätze sind aufgehoben. Seine Gedanken umfassen nun Tod und Leben, Trauer und Hoffnungslicht, d.h. Gott und Mensch sind nicht mehr geschieden!

Brahms kannte Hölderlins Hyperion-Roman genau. Allerdings ranken sich Geschichten um die Entstehung seiner Komposition, an der er länger gearbeitet hatte. Vermutlich hat aber der Tonkünstler deshalb drei Jahre gebraucht, um sie fertigzustellen (Uraufführung 1871 in Karlsruhe), weil sie musikalisch schwer ausdrückbar, behutsam und bedacht menschliche Gefühle und Wesenszüge anspricht. Wie bei seinem berühmten „Deutschen Requiem“ setzt er in seinem Hölderlin-Lied zum Orchester auch die menschliche Stimme ein. Den Dualismus innerhalb des Gedichtes vertont Brahms auf eindrückliche Weise.

Die bedächtige Einleitung ist durchdrungen von einem Rhythmus, der uns nun im Konzert noch oft begegnen wird: dadadadaa – hier noch verhalten von der Pauke eingespielt. Dieses Motiv, unerbittlich und anhaltend, wird dominant im Orchester-Zwischenspiel nach der 2. Strophe des Liedes und schaltet sich erinnernd in den Schlussteil der Tondichtung ein. Achten Sie beim Hören dieses Motivs darauf, was es bei Ihnen für ein Gefühl auslöst! Ist das Motiv für Sie ein Ruhepol im Werk, der musikalisch eine himmlische Stimmung ausdrückt oder ein Gefühl des Unabänderlichen, ewig Gleichbleibenden, im heutigen Sprachgebrauch: „Alternativlosen“, dem Sie ohnmächtig gegenüberstehen. Sie können bei der 5. Sinfonie von Beethoven weiter darüber nachdenken. - Wir bleiben aber jetzt noch bei Brahms. Nach den beiden harmonischen Strophen über die göttliche Welt und dem letzten Zwischenspiel wird das unbändige Allegro der 3. Strophe, die menschliche Sphäre darstellend, durch „schräge“ Akkorde (verminderte Quinte: d-f-as) angekündigt. Nur diese Strophe wird mehrmals textlich wiederholt und legte Brahms musikalisch in einer Sonaten-Hauptsatzform (a-b-a) aus. Wie im Gedicht wird das unruhige Leben eines Menschen in vielen tonalen Läufen und Sprüngen ausgemalt und verflüchtigt sich schließlich ins Ungewisse. Hier könnte das Werk enden und würde dem reinen Inhalt des Hölderlin-Gedichtes entsprechen.

Aber der Komponist bleibt nicht dabei stehen – und wird damit auch dem oben angedeuteten Kontext des Hölderlin-Romans „Hyperion“ gerecht. Denn nun klingt noch einmal die Orchester-Einleitung des Gesamtstückes an. Doch diese ist jetzt stilistisch wesentlich verändert und mündet in ein strahlendes C-Dur! Wir können uns also vorstellen, was Brahms damit mitteilen wollte: Das Göttliche ist keine Bedrohung des Menschen, unnahbar und unerbittlich, sondern der Mensch hat Friede und Trost im Göttlichen gefunden, ja Versöhnung und Zukunftshoffnung. Die Musikkritikerin und Schriftstellerin Joan Olive Chissell (1919-2007) beschreibt diesen Vorgang so: „Nichts ist im ganzen Werk schöner als das allmählich wiederkehrende Licht im Orchesternachspiel... als wäre es von einem Heiligenschein umgeben.“

Beethoven: 5. Sinfonie (zum 250. Geburtstag in diesem Jahr)

Dieses grandiose Werk wird nach kurzer Zeit - oft bis heute -  „Schicksalssinfonie“ genannt.

Stimmt das? Oder könnten wir auch sagen: „Revolutions-Sinfonie“? Darauf möchten wir beim Zuhören einmal achten, wenn Sie sich darauf einlassen wollen. Hierzu jetzt einige Gedankenhilfen.

Wie bereits erwähnt: Das rhythmische Vier-Töne-Motiv ist uns schon vor der Pause bei dem Hölderlin-Gedicht in der Vertonung von Brahms begegnet. Als großer Verehrer des Altmeisters hat Brahms dieses kleine Motiv in einige seiner Werke übernommen. Zunächst vermuteten die Zeitgenossen Beethovens, dass dieser selbst dieses Motiv ersonnen hat, und man nannte es bald in der pathetischen Aussage: „Schicksalsmotiv“ - und gab deshalb der gesamten Sinfonie den Eigennamen: „Schicksalssinfonie“. Doch im Laufe der Erschließung vieler anderer Werke der Zeit vor Beethoven erkannte man, dass dieses Motiv eine lange Tradition hat. Recht häufig finden wir es z.B. in der französischen Revolutionsmusik: Dort aber als Motiv in einer Siegeshymne oder in einem Triumphmarsch. Nur ein Tonstück möge das bestätigen: Luigi Cherubinis (1760-1842) „Hymne du Pantheón“ in Paris. In diesem Chorsatz erscheint das 4-tönige „Klopfmotiv“ an einer Stelle, wo im Text vom Schwur für die Republik die Rede ist und man gewillt ist für die Menschenrechte zu sterben. Diese Revolution war noch keine 20 Jahre her. Beethoven war von den Idealen Frankreichs begeistert: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Und sicher lebte diese Revolutionsmusik in seinen Gedanken – und damit auch das 4-Töne-Motiv.

Einmalig macht nun seine 5. Sinfonie, dass dieses kleine rhythmische Motiv einen ganzen Satz des Werkes bestimmt, ja der Komponist setzt diese vier Töne unisono selbstbewusst an den Anfang seiner Tonschöpfung: tatatataa! Vermutlich ist dadurch dieses Motiv das bekannteste der Musikgeschichte und prägte manchmal sogar das Weltgeschehen, so etwa in der Zeit des Nationalsozialismus die „Feindesstimme“ aus dem Äther, das Rufzeichen der BBC London.

Das Seitenthema des 1. Satzes, ein lyrisches und gesangliches Lied, hat dagegen keine Chance, eine zweite Kraft in der Entwicklung des Satzes zu werden. Es kommt sogar in der sog. Durchführung (Mittelteil) überhaupt nicht vor. Das ist der Teil einer Sonatenform, in dem sonst vor allem mit gegensätzlichen Themen des 1. Teiles des Satzes „gearbeitet“ wird.

Ganz anders ist das Grundthema des 2. Satzes geprägt: eine vielschichtige und weiten Raum einnehmende Melodie. Es wird mehrfach variiert und unterbrochen von marschartigen Abschnitten. Das Scherzo (3. Satz) erhält heute in der Musikwissenschaft die Funktion einer spannungsgeladenen Überleitung zum Finale-Satz. Hier scheint das Thema noch nicht fertig zu sein: Zweimal setzt eine aufsteigende Tonfolge an, um dann wieder abzusinken. Unterbrochen wird diese Tonfolge von einem Fanfaren-Ruf, der mit seinen vier Tönen an den Beginn des Werkes erinnert. Das Trio (Mittelteil des Scherzos) stellt sich als stürmisches Fugato (eine Fuge imitierend) vor und mündet in die Wiederkehr des Scherzos, das aber ganz anders rhythmisiert wird und sich im  leisen Piano verliert.

Nun entwickelt sich ohne Pause auf einem lang anhaltendem Ton in der Tiefe, unterstützt von leisen Trommelwirbeln, eine Überleitung zum letzten Satz der Sinfonie. Auch dieses Stilmittel war für die Zeit des Komponisten höchst ungewöhnlich. Dieser Finalsatz ist das Gegengewicht zum Eingangsatz. Marschförmig stürmt die Musik voran, nun aber nicht im eher schwermütigen c-moll des 1. Satzes, sondern im klaren, offenen C-Dur (genauso wie die Tonartenfolge in Brahms Lied). Deswegen hat man später in der Musikgeschichte bei dieser Tonartenkonstellation oft davon gesprochen, es sei eine Entwicklung „durch Nacht zum Licht“. Das Hauptthema, das nun den letzten Satz prägt, beginnt mit einem signalartigen Dreiklang und hebt sich im Charakter deutlich vom Triolen-Seitenthema ab, das im weiteren Verlauf die Oberhand erhält. Durch die Triole mit anschließender Viertelnote entsteht wieder das 4-Ton-Motiv! In der Coda stürmt der Satz voran und die Tonart C-Dur wird geradezu in Stein gemeißelt, um zum machtvollen Schlussakkord zu leiten.

Nun stellen wir abschließend noch einmal die Frage: Ist das die Sinfonie durchsetzende 4-Ton-Motiv vom Schicksalsgefühl geprägt?

Die Antwort darauf überlassen wir Ihnen. Vermutlich gibt es unterschiedliche Meinungen, verbunden mit der am Konzert-Abend jeweils persönlichen Gefühlslage. Und das ist auch gut so und macht das Leben spannend.

GROßER CHOR HOYERSWERDA


SINFONISCHES ORCHESTER HOYERSWERDA („SOH“)

Das SOH wurde 1962 mit einer kleinen Musikerschar als „Orchester der Werktätigen“ gegründet.

Es verband sich 1974 mit dem zehn Jahre vorher ins Leben gerufenen „Streichorchester der Musikschule Hoyerswerda“. Das erste Konzert dieses vergrößerten Klangkörpers musizierte ein Jahr später zu den 10. Musikfesttagen in der Heimatstadt. Von Anfang an stand dieses Laienorchester - bis 2015 (!) - unter der Leitung des begabten Lehrers für Violine und Viola: Lutz Michlenz.

Zur Hauptaufgabe der Musiker gehört die Einübung und Aufführung der klassischen

Abschlusskonzerte bei den Hoyerswerdaer Musikfesttagen und der seit 1984 beliebten Silvesterkonzerte im „Wiener Walzerstil“. Letztere werden seit 1996 mit der launigen Moderation durch Superintendent i. R. und Ehrenbürger der Stadt Hoyerswerda Friedhart Vogel durchgeführt. - 1993 gründete sich das Orchester als eingetragener Verein.

Die meisten Musiker des Klangkörpers sind lernende und ehemalige Musikschüler der Stadt, wobei

die Ehemaligen extra aus ganz Deutschland für dieses gemeinsame Spiel zusammenkommen.

Unterstützung bei den Proben und zur Aufführung erhalten die Laien von professionellen Musikern,

die auch gleichzeitig Anleitung zum Üben geben.

Seit 2015 obliegt nun Eva Meitner die musikalische Verantwortung und Leitung des Orchesters.

EVA MEITNER

Eva Meitner ist eine deutsch-französische Dirigentin. Sie erhielt während ihrer Schulzeit Unterricht in den Fächern Violine, Querflöte, Klavier und Gesang. In den Jahren 2003 – 2013 studierte sie Schulmusik mit Schwerpunkt Dirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen und anschließend Master-Dirigieren an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Danach war sie zunächst künstlerische Leiterin und Dirigentin des  Werkstattorchesters Dresden und konnte viele Erfahrungen im Dirigieren bei anderen deutschen Orchestern sammeln. Außerdem vervollständigte sie zuletzt ihr Studium als Stipendiatin in Konstanz und London und nahm im selben Jahr 2014 in Leipzig an einem Meisterkurs im Fach Dirigieren teil. Neben der Leitung des SOH wurde sie vor zwei Jahren Dirigentin des Freien Orchesters Leipzig.  Überdies ist sie seit 2015 Lehrbeauftragte im Fach Dirigieren an der Universität Erfurt. Seit dem Herbst 2017 widmet sie sich erneut auch der Kammermusik als Pianistin und Harmoniespielerin im Duo TastoCorno in Leipzig. Sie übernahm auch in dieser Zeit eine Mentorenstelle in der Leipziger Hochschule für Musik und Theater. Eine besondere Leidenschaft hat sie zudem für Spielzeug-Klaviere und spielt zwei petits pianos der französischen Marke „Michelsonne“. Neuerdings interessiert sie sich auch für Kompositionen von Frauen, eine zu Unrecht vernachlässigte Seite der Musikgeschichte.

Man schaue auch auf die Internetseite: www.eva-meitner.de

Wenn Sie durch das Konzert angeregt wurden, ihr Instrument wieder aus der Versenkung zu holen: nur Mut! Die Musiker freuen sich über jedes neue Mitglied im Klangkörper. Eigens dafür beginnen wieder am 19. Mai die nunmehr 6. Sommerklänge des Orchesters mit den Proben, ein Projekt zum Kennenlernen. Nähere Informationen zu den Terminen und Zeiten finden Sie auf der Internetseite: www.sinfonisches-orchester-hoyerswerda.de

Texte: Dr. Rüdiger Laue

Kartenpreis: 26,00 EUR | 28;00 EUR | 23,00 EUR | Ticket hier bestellen